20071204

fresh fruit for rotten vegetables

Sie rotten sich wieder zusammen. Wie jeden Tag, kurz nach Sonnenuntergang. Mit Pauken und Trompeten. Die Letzten Sonnenstrahlen lassen ihren Streitwagen aus Edelstahl gefaehrlich glimmen, aus den vier riesigen Hornlautsprechern sickert unheilverkuendend leises rosa Rauschen. Uniformen aus Rot-Blauem Polyester, eine Buegelfalte, mit der man problemlos Kokosnuesse spalten koennte. Es ist die "Diamond Band".

Nach einer kurzen, aber heftigen Rueckkopplung, die sogar den unerschuetterlichen Muezzin in seinem droegen Tun innehalten laesst...setzt der Krach ein.
Die Melange laesst die Ohren bluten, der Bass rammt sich wie Rockys Rechte geradewegs in den Diarrhoe-geplagten Magen. Jedes der mindestens Zehn Bandmitglieder fuer sich spielt schon grottenfalsch. Gemeinsam sind sie infernalisch. Als ob das alles nicht genug waere: mitten im Tumult greift ein hageres Buerschlein zum Mikrofon der scheppernden PA-Anlage, und begint hineinzuschreien. Das Signal fuer den Tross, sich samt psychedelisch beleuchtetem Edelstahlwaegelchen in Bewegung zu setzen, hinterdrein ein Karren mit einem an den Grenzen seiner Leistungsfaehigkeit blauen Dunst aushustenden Dieselgenerator, der mit zwei blanken Litzen alles mit Strom versorgt. Die Beleuchtung, den Verstaerker, die eine oder andere Kuh, die den Litzen zu nahe kommt...

Die Indische Oktave umfasst 22 Toene. Die Tragweite dieser Erkenntnis ist mir erst mit dem Beginn der Hochzeitssaison schmerzlich klar geworden.

Nice beard, man!

20071125

der verschlissene

ein rastloser pendler, in dieser stadt. erdmännchengleich recke ich meinen kopf aus den tiefen schächten. ein flickenteppich von straßenkarees. dort, wo keine u-bahn fährt ist es fremd. ungewohnt, gar gefährlich. wer mag die monate zählen, die es brauchte zu begreifen, dass schottentor und schwedenplatz ein katzensprung sind. urania und stadtpark lächerliche fussläufigkeit verbindet. big city nights, hängend am tropf des öffentlichen nahverkehrs, blut aus schienen, stahl und feinstaub glühender bremsbeläge (gut dass den keiner quantifizieren will). doch, was bleibt vom blunzngröstl, wenn es einmal verspeist ist? schlechtes gewissen und der wunsch nach mehr. was solls, es ist zu spät für philosophien. "Das versteht ihr nicht! Er hat ein zerrissenes Gemüt, da rinnt der Wein durch und kann nicht in Kopf steigen. Jetzt kümmerts euch nicht um Sachen, die euch nix angehn, und schauts zum Servieren!". gute nacht, johann.

(foto cc-by schönberg)

20071124

weg mit die schläuch

"kennst du vier pfoten?" - "welche vier?" - "naa, den verein" - "nein" - "aber du magst tiere" - "nein" - "aber sie sind dir wichtig!" - "also du willst kohle" - "naja, für die tiere" - "achso, immerhin mal was neues" - "ja und" - "krichst nix" - "du hast doch bestimmt ein konto" - "ja, ein deutsches" - "och mann, das geht ned, dabei hats so schön angefangen..." - "ja war mir eine ehre" - sonst eher ein flauer tag. die stunde des abschieds kratzt schon sensenmanngleich nächtens an meiner wohnungstüre, die ich gestern nacht ohnehin weit geöffnet ließ. besuch kam nicht herein, nicht einmal unerhoffter. meine begleiterdamen (s., l., t.) sind am wochenende ausgeflogen, ich musste ohnehin die bleibe schrubben. den trübsal blase ich mittels sanostol-netzplatz aus den Knochen. einfach ganz oft den Knopf drücken, dann ertönt es kanonartig. Morgen noch auf den Prater und ein Kalbschnitzel. Wien-Nord. Represent!

(foto cc-by schönberg)

No Bargaining!

Heute den Fixed-Price-Tibetan-Refugee-No-Bargaining-Bazar und die Palasthoteleinfahrt Rechts liegen gelassen, und dann, nach kilometerlangem Marsch auf einer schnurgeraden Strasse mit Zaeunen rechts und links (vgl. Korridor nach Westberlin), im dritten Anlauf, den Zugang zum S.-Park gefunden. Ein Reservat fuer nicht-bekloppte Inder, und so sauber und ruhig, wie man es sich schon fast nicht mehr vorstellen kann. Ein Schild mahnt "Use Dust Bin! No Picknick on Lawn!". Und es gibt sie tatsaechlich, sowohl die Muelleimer (= Gelbe Plastikkaengurugs mir roten ohren uns aufgemalten Reisszaehnen, auf dem weit geoeffneten Beutel Prangt in Kapitaelchen "USE ME") als auch die Rasenflaechen.
Wir seten uns auf die erste Bank in der Sonne, lassen uns von esoterischer Musik berieseln und uns von Einheimischen begaffen. Wir gaffen zurueck und amuesieren uns ueber den indischen Fruehsport, der augenscheinlich hauptsaechlich aus Kopfgewackel besteht. Ueber allem thront ein Bronze- oder Plastik-Ghandi auf seinem ewigen Salzmarsch. Ein paar Buesche sind in vage Tierformen geschnitten, es koennten Kamele sein, eines davon ist vornueber gekippt, und ruht nun auf dem no-pickick-lawn in grotesker Haltung auf seinem Kopf.
Den vielgepriesenen Zoo finden wir zunaechst nicht, beschliessen dann aber, dass die allgegenwaertigen Streifenhoernchen, die dicke Ratte, die Stassenkoeter und das Vogelvieh sowieso viel possierlicher sind als es traurig umhertrottende Tiger je sein koennten. Es gibt auch einen Weg, den wir als Trimmpfad interpretieren, 800m, ein Marathon fuer den Durchschnittsinder. Alle zwanzig Meter stehen grosse Hinweinstafeln auf Hindi, die wohl den Sportler ueber die bereits zurueckgelegte Distanz informieren. Wir treffen sogar einen Leistungssportler, in einem Gewand, das verblueffend nach DDR-Olympiakader aussieht. Er bewegt sich, wie es wohl ein nicht gedopter DDR-Olympionike getan haette.

Gemaechlich.

Mehrfach kreuzen wir das Parkbaehnle, ein Zug ist allerdings nie zu sehen. Das Mysterium findet seine Aufloesung im Baba-Lukas-Ashram, laut einem Riesigen Schild in allen Landessprachen die "Main Attraction" im Park. Es begab sich naemlich im Jahre 1964, zur Zeit der grossen postkolonialen Rohstoffkrise, dass ein paar findige Inder sich mit dem einzigen Schraubenschluessel Udaipurs bewaffnet aufmachten, um die Schienen in einem schlecht, weil gar nicht, ausgeleuchteten Abschnitt der Parkbaehnlesnordkurve zu demontieren, und sie an die damals noch weitgehend unbekannte BAJAJ-Auto-Company zu verkaufen, die daraus die ersten in Thailaendischer Lizenz produzierten Rickschas schmieden sollte.
Davon allerdings wusste Ranjid, verdienter Parkbaehnles-Lokfuehrer und Mann zweier Frauen sowie stolzer Besitzer eines taeuschend echt wirkenden Plastik-Roleximmitats, nichts. Er raste mit gefuehlten 12,5km/h mit einem zum Glueck ansonsten unbesetzten Zug geradewegs und ungebremst in sein Verderben, die Bahn entgleist, wuehlt sich noch einen endlos erscheinenden Meter durch das von Metall befreite Schotterbett, und kippt dann behaebig aber dramatisch zur Seite. Der unglueckliche Ranjid buesste bei diesem Unglueck den Fingernagel seines rechten Daumens, das Deckglas seiner "Rolex" und weite Teile seines Verstandes ein, und entschloss sich, an Ort und Stelle zu verbleiben, und von seinem nahtod-Erlebnis und der Guete der Goetter zu berichten.
Wie das hier so ueblich ist, fand sich bald eine Schaar Juenger ein, die Ranjid mit Reis und Chapati versorgten. Bald bekam Ranjid seinen eigenen Fernsehsender, und einen Ashram in der Naehe der Ungluecksstelle gestiftet. Nun sitzt er da, nackt, mit seiner kaputten "Rolex" , nennt sich "Baba Nanga Lukas", und liest jeden Tag von 10am bis 5pm aus "Lukas und der Lokomoivfuehrer", das er einem Traveller abgeschwatzt hat, weil er in "Emma" eine Inkarnation seiner alten Lok zu erkennen glaubte. Dass er von rechts nach links liest, stoert dabei weder ihn noch die zahlreichen Pilger, die aus allen Teilen des Landes kommen, um ihm andaechtig zu lauschen:"Dnalremmul eneohcs sad ni nesier lamnie etllos redej..."

20071122

Garnitur (Serviervorschlag)

"Wegen eines defekten Zuges..." glaube ich ohnehin nicht mehr. Viel zu aufgeklärt laufe ich durch diese Stadt, alle Fachliteratur zu Werther-Effekt, Komposition von U-Bahnnetzen, den beiden versteckten Tunneln zwischen Landstraße, Schwedenplatz, Stephansplatz und Schottenring, zum Geisterbahnhof Lerchenfelder Straße, und zur Technik der U-Garnituren kenne ich. Und trotzdem bin ich die Woche schon zweimal umanand gelaufen, von nestroyplatz bis stephansplatz, weil ich doch die verdammten linien der bim nicht kennen will, nicht kennen mag und aus prinzip nicht benutze. Es gibt definitiv keinen Grund dafür. Entlang der U-Bahn kann man alles bekommen, was das herz begehrt (lebensmittel: billa am praterstern, waffen: mexicoplatz (vorgartenstraße), alternativ sein (wuk/gumpendorfer straße), drogen (karlsplatz), sex (alle stationen), versacken (kagran)). Schönberg wächst also und gedeiht. Hat dem Auto entsagt. Bleibt Triebtäter im Triebwagen. Bei Bedarf gern bis nach Vösendorf.

20071120

herzschlagzeile

Ist er zurück? Will er mich schon wieder in Misskredit bringen? War Vishnu den Indern gnädig? Haben die friedliebenden Buddhisten Brahmalitzen aus ihrem Land geprügelt? Sich als US-Bürger auszugeben sieht ihm ähnlich, durchdrehen ist sein Markenzeichen, polizeilich gesucht wird er seit eh und je. Und nackt: wir erinnern uns. Ich plane derzeit alle Körperhaare vollständig zu rasieren, meinen Wohnort zu verlassen und mich im nächsten Spital unter die Chemotherapiepatienten zu schleichen. Auf das wir uns nicht begegnen. Der zweite Strohhalm, an den ich mich klammere: Vielleicht hat Heute wieder maßlos übertrieben und ein UNI-Diplomand hat einfach nur über die Stränge geschlagen?

20071119

when you iz worried, call me... Al

"... legen die Wiener Linien besonderen Wert darauf, Telefonkabinen so aufzustellen, dass eine ungestörte Benutzung gewährleistet ist. Schalldämmende Türen halten Umgebungslärm ab, Standorte, die nicht direkt an Verbindungstunneln der U-Bahnstrecken liegen lassen generell weniger Ablenkung durch Fremdeinflüsse erwarten. Um den verschiedenartigen Ansprüchen unserer Kunden gerecht zu werden, stehen in unseren Telefonkabinen verschiedene Lichtstimmungen sowie Automaten für jede Körpergrösse bereit. Die Kombination einer einladend sachlichen Athmosphäre mit der Armatur für ergonomisches zurechtlegen einer ordentlichen Line sorgt für langfristige Kundenbindung..."

20071118

schotten, pervers

es ist meiner vorausschauenden agenda zu verdanken, dass ich diesen freitag für eine neue runde "komm, wir gehen auf eine wg-party" indisponiert war. natürlich entging mir abermals eine grenzgeniale feierlichkeit mit meiner trinkfesten wochenendbegleitung s. . aber es haben sich für die nächsten wochen ähnliche begebenheiten angekündigt, so dass das fehlende schädelweh am samstag nicht über das hintertürchen eines schlechten gewissens hereinbrechen konnte. also verbrachte ich den freitag abend, mit davon unabhängiger bezahlung, mit meiner langjährigen gönnerin und gelgenheitsarbeitsgeberin e. . mein verdienst, eine runde eurosumme, zwei gugelhüpfe und zwei pfund schokolade erlaubten mir zur gegenleistung ein kalorisch ausgeglichenes wochenende, dass ich wider erwarten vor allem im kino verbrachte.
ich möchte mich über details nicht weiter auslassen, jedoch darauf hinweisen, das die filmzutaten "bootshaus, einsamer see, irgendwas mit leiche oder gewalt", 175 jahre nach der erfindung des lebensrads, einfach ausgelutscht sind: The deep end, insomnia, bodyguard, hallam foe, die tote im bootshaus, dogville und abkömmlinge, ach was weiß ich. weg damit. dogma 2007: drehe niemals einen film, in dem ein bootshaus vorkommt. achja, zur sicherheit vielleicht auch niemals mit krolitzen. aber wer würde das schon.

(foto cc-by schönberg)

Nacktbus

Es ist einfach kein Vergleich. Die Menschen in diesem Land sind freundlich, allenfalls die Helfer der Nachtbusse spucken einem gerne und im übertragenen Sinne ins Gesicht, entpuppt man sich als Piefke. Aber: Die Straßen sind makellos sauber. Kühe und Artverwandte enden in der Regel zwischen zwei weißen Weckerlhälften (schlechte Kohlenhydrate, Wien schmeisst soviel brot weg wie... ist ja alles bekannt). Bedenkenlos mag einer in Donau, Kanal oder die Alte (nicht seine alte) springen. Da wird der Ganges gelb vor Scham. Und dann die Filme erst. Viiiel besser, als Bollywood. Die drei B, oider! 7,60 und im Anschluß zweimal um den Ring.

(foto cc-by schönberg)

20071115

ein dufter springinsfeld

Als heute schillernde Neurotransmitter in meinen Hypothalamus eindrangen, löste der in Gang gebrachte exocytotische Mechanismus verzögerungsfrei eine unangenehme körperliche Empfindung aus, die mich nach Dienstschluss in den nächsten Sparmarkt trieb. Ungeplant brachte mir jedoch der Sinn nach einem ausgewogenen Chilli wesentlich unangenehmere Empfindungen ein. In einem anderen Teil der Hirnrinde aufkeimende Erinnerungen an die tückischen Essrituale aus der Zeit meines erschütternden Zusammenlebens mit "Ernährungsexperte" Krolitzen, halfen dem Sättigungszentrum wieder die Oberhand zu gewinnen und meine Lust auf Chillibohnen ersatzlos zu streichen. Krolitzen, zeitlebens Stolz auf seine "funktionierende" Verdauung, plegte bereits früh am Morgen verschiedene Trockenfrüchte (Mango, getrocknete Wassermelone) zu verspeisen. Das Mittagsmahl bestand gerne aus türkischem Honig, auch ein wahrer Förderer der gesunden entschlackung. Kurz darauf, meistens fluchtartig, pflegte intestinitzen, sich das wunderlicherweise weiter lappig hängende Bäuchlein reibend, in Richtung Sanitär zu verschwinden um es in Folge und unter allerlei Geräuschentwicklung knappe 45 Minuten zu okkupieren. Natürlich verging mir dabei öfters der Appetit, weshalb ich in dieser Zeit gut und gerne drei Kilo meines Idealgewichts verloren hatte. Das Mittagsritual war allerdings kaum zu vergleichen mit den allabendlichen Bohnenorgien, die Beanitzen zu veranstalten pflegte. "Kidneybohnenpüree mit weißen Riesenbohnen", gab es da, "Fisolauflauf an Sauce Bohnaise", dazwischen ein Bohnmot aus der Küche. Wem zusätzlich bekannt ist, dass der in Bohnen enthaltene Dreifachzucker nicht vom Menschen verdaut werden kann, von Darmbakterien aber sehr wohl metabolisiert wird, erahnt das Ende dieser Tage. "alles flutscht und fuegt sich irgendwie", rief er mir gerne zu während ich hektisch die Fenster öffnete. man konnte es kaum perfider arrangieren. er smogte, dass es sich an den Wänden niederschlug einem die Augen traenten, von der Schallintensitaet, ähnlich einer startenden Ariane 5, ganz zu schweigen. ich habe das alles hinter mir gelassen. indien mitsamt eines unausgereiften abwassersystems durchlebt es in diesem moment.

(foto gfdl snjeschock)

great bad thing

Hier ist alles laut. Und mit "laut" ist nicht das europaeische "laut" gemeint. Hier faengt "laut" etwa mit der Schallintensitaet einer startenden Ariane 5 an, und "laut" sind hier nicht nur Toene, sondern auch Farben und, vor allem, der Gestank der Verwesungsduft Gerueche. Schoenberg haette das schreiend bunte Treiben auf den Strassen nicht perfider arrangieren koennen. Es Smogt, dass es einem die Riemchensandaletten auszieht einem die Augen Traenen. Irgendwo stand zu lesen, Indien sei die einzig funktionierende Anarchie der Erde. Das stimmt so nicht ganz. "Funktionieren" (um noch einmal "Gaensefuesschen" zu bemuehen) waere gnadenlos uebertrieben. Zugegeben, alles flutsch und fuegt sich irgendwie. Ungefaehr wie Duennschiss so, wie die Verdauung nach uebermaessigem Verzehr von Trockenfruechten "funktioniert".
Als ich mich heute so durch die Strassen spuelen liess, vorbei an marodierenden Kuehen und den allgegenwaertigen Miniaturesel-Arbeitskolonnen, gelang es einem freundlichen Shopbesitzer ("welcomb, me frrend, lok, hello, yez pleees!") mich aus dem Getuemmel zu fischen, und in sein Wohnzimmer/Geschaeft zu bugsieren. Einen kurzen Moment lang fuehlte ich mich zurueckversetzt in die Zeit, als ich gezwungenermassen mit Schlampberg einen Kleiderschrank teilen musste. Augenscheinlich hatte sich der gute Inder auf die Beduerfnisse fetter ausladender westlicher Mittvierziger spezialisiert, und ich fand mich umgeben von zeltartigen Ueberwuerfen aller Couloer. Kurz war ich versucht, ein in Farbgebung, Umfang und Schnitt frappierend an das Roncalli-Chapiteau gemahnendes Textil zu erstehen, und per Luftfracht an den Unsaeglichen zu senden, um der alten Zeiten Willen. Dann jedoch meinte ich mich zu erinnern, dass Stussberg sich in einer der letzten Mails, die mich erreichten, ellenlang und erschoepfend ueber die Vorzuege von "Slim Fit"-Hemden ausgelassen hatte, und in seiner Begeisterung gelobte, nichts anderes mehr an seinen - morphologisch eher schwer einzuordnenden - Koerper zu lassen. Das jedes Slim-Fit-Teil ueber Schoenberg Stieglgestaehltem Korpus absolut knitterfrei spannt, schien ihn besondes zu freuen. "Krolitzen, nie wieder buegeln, was mir das an Zeit spart!". Schoenberg, wenn ich so an den Kleiderschrank zurueckdenke, im Schnitt wohl zwei Minuten im Jahr.

20071113

Akasaka!

Während Liebslings- und Möchtegern-Diktator Mahmoud daheim auch schon vor den Latz geknallt bekommt, bleibt meine Faszination für seinen jedesmal unwirklich makellos gepflegten 2,8 Tages-Bart bestehen. Perfektion, die selbst Bartmodellier Krolitzen, wohl noch immer auf den Spuren des Kurkuma, mit seinem 25-teiligen Bartpflegeset niemals erreicht hatte. Aber bloß weg vom Thema, bevor es zum x-tausendsten Assoziationskettenmassaker wird. Auch vom Hort der Arbeit gibt es altbekanntes (Badge poliert, Slim-Fit-Hemd knitterfrei) und neues zu berichten. Heute war der unterste Oberboss auf Stippvisite im Büro und das hat natürlich die gaaaanze Abteilung zum rödeln gebracht. Da wurden Badges poliert, Hemden entknittert (außer ich) und ganz flott noch ein paar anschnittige Punschpralinen arrangiert. Und dann stand ich vor dem Secondary Herrgott urplötzlich im Mittelpunkt dieses, freilich herübersetzten Gesprächs:
"Das ist Schönberg, der einzige Deutsche hier bei uns [zwei Kollegen aus Karlruhe stöhnen auf]. Er ist heute sehr traurig, weil der "german vice chancellor" seinen Posten verlassen hat. [was mir zu diesem Zeitpunkt neu war]. Schönberg, ich möchte das besonders betonen, deinem vizekanzler und dir ist es zu verdanken, dass der Secondary Herrgott, heute dem Standard ein interview geben, und darin seinen Senf über deinen Vizekanzler abgeben darf... [Anerkennendes Nicken vom Secondary Herrgott zu mir]"
Und jetzt sag nochmal einer, ich könnte nicht die Welt verändern, wenn schon bei meinem Vizekanzler alles rotiert.

20071112

Wieviel Giga?

20000 (~8 Kilometer) Millimeter Wassersäule. 40 Gramm Weltraumtechnologie- faserverbundsoftextil- frühstückszerealienfüllung gegen Polarnachtextremkälte(*). Back-(Nein, Rücken!)Belüftungssystem (FCKW-frei). Brillen, Telefon und Sicherheitstasche (A, B und C-Gefahren). Formstabile Kaputze, Ausweishülle und Schneemanschette aus Klebgummi (Fetisch).Karottensaftpresse. Und jetzt kommt doch schon wieder in der heute 15 Minuten (!) verspäteten U-4 eine Horde Kindergartenkinder auf dem Kindergartenkinderausflug und ruftkräht lauthals: "Ich setz mich zu dem Feuerwehrmann". "Ich setz euch mal vor den fahrenden Zug!" Komisch, dass das gute Stück in der Kollektion 2008 nicht mal mehr auftaucht...


*doof getrennt weil der umbruch sich sonst einen ab-bricht.
** alles doof weil das format sich vergurkt hat
(foto geklaut)

20071111

Uchū no maigotchi!?

Die Erinnerungen sind lückenhaft. Ja, ich hatte mich am Wochenende mit Menschen unterhalten. Kunst, Architektur, Garten- und Landschaftsbau, die Rolle Österreichs in der Globalisierung. Die wollmilchspendende Eiersau eines jeden DJs, Final Scratch, wurde bis ins kleinste Detail analysiert, inklusive einer ethisch-philosophischen Grundsatzdebatte für und wieder der digitalen Einverleibung traditioneller Analoghaptik. Dumm nur, dass die Erinnerung an das genannte so fern ist, wie Krolitzen sein verlorengegangenes Ich, Albrecht Dürer, für dessen haarsträubende Wiedergeburt er sich einst hielt (vermutlich geht er grad in Jaipuristan damit hausieren). Meine treue Seele S., mit der ich mich nun regelmäßig auf freitäglichen WG-Parties einfinde, hatte es wieder zu gut gemeint. Immerhin gelang es mir, die Dame unbeschadet nach Hause zu geleiten und im Anschluß das unmöglichste aller Wunder zu vollbringen: Einem Altwiener Taxifahrer hatte ich die Ohren so blutig geredet (Themenauswahl: Juristische Feinheiten bei der Ortskundeprüfung, deutsche-österreichische Unterschiede der Gesundheitsanforderungen an Taxifahrer, Kennzeichnungs und Steuerpflichten), dass er mich mit Skonto und quietschenden Reifen unweit meiner Wohnung absetzte.
Nun sitze seither in meinem leeren Palast und amüsiere mich köstlich mit der Reeinkarnation des Tamagotchi, dass es heuer zu jeder Juniortüte Happy Meal, gibt. Im Gegensatz zur Markteinführung vor gefühlten 12 Jahren (Windchill-Effekt) hat der kleine Extrahappen mittlerweile mächtig zugelegt. Im Zuge der Miniaturisierung konnte erfolgreich die Anzahl nötiger Pixel reduziert werden, um das Fabelwesen (Hase) anzuzeigen. Dafür wurde die Lesbarkeit der einzelnen Bildpunkte deutlich erhöht. Die komplexen Spieloptionen wurden auf vier gekürzt (Essen, Kämmen, Karottenspiel, Schlittenspiel) und mit Rücksicht auf die kindliche Psyche sind die Optionen verlieren bzw. versterben des Domo-Kun Hasen ersatzlos gestrichen. Es gibt nur noch Sieger. Meine Bilanz 39:0. Tendenz steigend.

20071110

Ribisel-Ethanol

Wodka-Ribisel. Wodka-Ribisel. Ottakringer. Schwechater. Schönberg, Version 0.9. Servas.

20071109

Rickshaw-Remedy

Das staendige Kaudergewelsche mit den Indern, Kanadiern, Daenen, Italienern etc. die hier (vergeblich) Seelenheil und Erfrischung suchen hat ungefaehr folgenden Effekt: Im verzweifelten Bestreben sich seinem Gegenueber verstaendlich zu machen, zieht man alle Sprachschubladen im Kopf auf, probiert sich durch verschiedenste Woerter, Rudimente und Neuschoepfungen, und wenn man sich dann schliesslich doch aufs Gestikulieren verlegt, bleibt ein Haufen Woerter in allen beherrschten und nichtbeherrschten Sprachen uebrig, die alle mehr oder weniger das gleiche umschreiben. Dem Unterbewusstsein bleibt ueberlassen, den synonymen Woerterwust wieder sinngemaess einzusortieren, eine Aufgabe, auf die es sich Augen- und Ohrenscheinlich mit rapide abnehmender Sorgfalt und Begeisterug stuerzt. Die Folgen: Akute Wortfindungsstoerungen bis hin zur Vokalapathie und ein rapide degenerierender Wortschatz.
"Aeh, I need, you know, i want to borrow some stuff for doing like this (fahriges Gestikuliern)...you know...stuff for cleaning!""Ah, you need staff for cleaning? Now?""Nonononono...not staff...stuff...things...for...""You want drink? Come, sit, restaurant is open!""No, heavens, no drinks. Things...(auf das "th" verzichtend) 'sings'""What things Sir?""For cleaning.""Now?""Yes""Ok, I'll send a boy. Which room number?""308...but wait, we will clean ourselfs...I mean on our own. We only need the...you know... 'tools' to do so.""Ah. Sorry. No understand. Nice beard Sir.""What?""Beard Sir. It's butiful.""Aeh, yes. Thank you anyway.""Happy Diwali, Sir"
Manchmal fuehlt man sich doch sehr an Hobbynalphabeten und Linguphobiker Suelzberg erinnert.
Zum Glueck gestaltet sich nicht alle Kommunikation derartig fruchtlos. Der Indische Strassenverkehr ist ein Ort beispielhaft reibungslosen Zusamenspiels. Man stelle sich das Ganze als einen Fluss vor, der sich mit 20 bis 30 km/h durch engste Haeuserschluchten schlaengelt, ab und zu geteilt durch die eine oder andere heilige Kuh oder einen der hier an allen groesseren Plaetzen zur Dekoration aufgestellen Verkehrspolizisten, . Im Fluss zu finden ist alles, was die indischen Hausmarken Bajaj Auto und TATA im Programm haben, vor allem Zwei- und Dreiraeder mit jeweils etwa zwei Passagieren pro montiertem Rad plus Reserverad. Um die Orientierung zu vereinfachen wird permanent gehupt, gebruellt, geklingelt. Man faehrt, wie der Fliessenleger sagen wuerde, "auf Knirsch". Und Krolitzen heute mittendrin, auf einem geliehenen "Mountainbike", das fuer einen Gnom wie Schrumpfberg genau das richtige Gefaehrt gewesen waere, meiner eigenen Wuerde allerdings in etwa so zutraeglich war wie Riemchensandaletten. Trotz meines Auftreten als Inkarnation des legendaeren Affens auf dem Schleifstein glaubte ich schon nach wenigen Metern im Getuemmel in den Augen der Passanten so etwas wie Respekt aufblitzen zu sehen. Nach drei oder vier Querstrassen war ich endgueltig in meinem Element. Die Nerven nach wie vor zum Zrreissen gespannt, links am Elefant vorbei, bunny-hop ueber den Kuhfladen...im Kopf das ewige Mantra des Commonwealthreisenden "links, links,links...", unter den blaeulichen Dunstschwaden aus dem Auspuff eines der gnnadenlos Ueberladenen Tata-Busse durchgetaucht...
Nach vierzehn Kilometern und einigen "Nice beard, man!" vom Strassenrand bin ich wieder im Hotel angekommen, dreckverkrustet aber ohne einen Kratzer. Ich denke, man wird mich von nun an oefter "da draussen" finden. Aber erstmal muss mein Klingeldaumen abschwellen. Happy Diwali!

20071108

boulevard

und was machen die leute in der u-bahn? "sudoku lösen!" sehr richtig, aber von wem? "Vom Anker, das Bäckersudoku vom Anker. Noch was? "Zeitung, jaja, sie lesen Zeitung." Aha, aber etwas genauer doch... "Kronenzeitung?" fast, nur schlimmer... hansbert, du vielleicht? "Heute, nur Heute, denn da gibts täglich titten und ist umsonst.." Sehr richtig Hansbert, sehr gut erkannt. Hat noch jemand Ideen? "Gassigehen. In den neuen Zügen mit Durchgangsabteil!" Fein. Aber nur mit sehr kleinen Hunden, damit man auch ja drauftritt und sie vor Schreck ein Gackerl machen... "Die Grünen sagen immer >nimm ein flaggerl für dein gackerl<. Das ist so ne Art Protest gegen die Republik und so." ok, jetzt haben wir schon echt viel. ein letztes noch, robertus? "podcast hörn manche gerne. so das neueste vom orf. oder von der selina gusenbauer, die ist ja son emo und hat die fonda geküsst. ihh, das mag allenfalls der schönberg" robertus, das sagt man nicht. "naja, es stimmt halt. emo. das hat die news geschrieben. alle wollen jetzt sein wie dem kanzler gusenbauer seine tochter. so mit emily strange klamotten und so. dabei sieht die aus wie die kampusch. auch strange, nur dicker. aber die kampusch schreibt jetzt schon für die news" auf Seite 44." Robertus, das genügt. Ich denke wir haben alles gesammelt. Ich gehe dann mal kotzen. will einer mit?

(foto geklaut)

20071107

Asset Proposal

Cash-Cow und Rinderbeckenliebhaber Krolitzen scheint allen anderen wieder um eine Nasenlänge voraus: Seine nicht nachlassende Begabung, sich auf Kosten anderer, der Umwelt, der Menschenrechte, der Zukunft, der Demokratie, nicht zuletzt der Kinder (denkt denn hier keiner an die Kinder?) und vor allem mir einen "goldenen Zahn" zu verdienen, hat ihn den nächsten Megatrend erschnuppern lassen. So verkündete unlängst Der Standard, der austriakische meta-motorrad-spezialist KTM würde fortan mit dem indischen Großserien-Kleinrikscha-Hersteller Bajaj-Auto, dem Aixam-Mega Asiens, eine Liason eingehen. Was dabei entsteht soll sich jeder selber ausmalen - solange es kein Frischkäse in Scheibenform wird, was beim Käse ungefähr das selbe erreicht, was bei der Verschmelzung von Motorrad und Auto zum unsäglichen Quad wurde.
Doch zurück zu Krolitzen. Inwieweit der lebensferne Maschinenbauer, (gerne sagt er Sätze wie diesen: "Ich möchte einen DICOM-Datensatz von einem Becken - wie ihn das CT ausspuckt - so aufbereiten, dass man an ihm Belastungssimulationen durchführen kann") die Firmenmelange mit meinem Kapital gepusht hat, weiß ich nicht zu sagen. Immerhin kann es kein Zufall sein, wenn der kuk-Republikflüchtling just dann nach Indien abfliegt, wenn es in den wirtschaftlichen Kopulationswirren mutmaßlich Bakschisch abzugreifen gibt. Möge ihm der latente Smog in Bhopanjaipurdabadurai Tränen in die Augen treiben - wenn er ihn auch leider vor dem Klimawandel verschont.

(foto cc-by Jonathan McIntosh)

20071106

hindu-trojaner

besser als es jedes geolokalisierungssystem könnte zieht sich stibitzens datenspur durch meine kontoauflistungen. die segnungen des onlinebankings hab mir ermöglicht, bis auf wenige meter seinen aufenthaltsort und seine konsumgewohnheiten zu erkunden - wie er es allerdings angestellt hat, die von mir gesperrte kreditkarte nicht nur wieder zu entsperren, sondern zudem ihr limit gnadenlos zu überziehen, bleibt mir ein rätsel. wenn sein treiben nicht bald entdeckt wird, um ihn einer gerechten strafe (versetzung in eine niedere kaste, wiedergeburt als verleger der kronenzeitung, verwechslung mit einem islamischen fundamentalisten, zwangslesen seiner eigenen wien-tagebücher) zuzuführen, werden die Gendarmen wohl bald bei mir an der Tür klingeln. er muss sich unantastbar fühlen, eigentlich hegt er als chef-paranoiker ein krankhaftes misstrauen gegenüber jeglichen mitmenschen, allen voran Taxifahrern. Wie ich ihn kenne wird er für die jüngst verjubelten, umgerechnet 169,32 Euro, Gin der übelsten Sorte, dafür umso mehr, im "Lake Palace Hotel Hotel" (laut kontoauszug) versoffen haben. Die Absteige, in der laut meiner Recherchen allenfalls renitente touristenabzocker und fahrzeugschieber ihr unwesen treiben, scheint bekannt für ihren großzügigen umgang mit "zimmerbesuch". gottseidank führen die leichten damen in take-off countries noch keine electronic cash ausrüstung mit und sind auch preisgünstiger als die Wiener Modelle - für deren Bezahlung der Weltreisende noch einige ältere "Kredite" bei mir am Laufen hat. Fortan wasche ich meine "Slim-fit" hemden nur noch bei 30 Grad, ohne Schleudern. Sie müssen nun wohl länger halten.

(foto CC-BY-NC-SA Kai Raven)

Cricket-Action

Schoenberg hat anscheinend gerafft, dass ich mir als kleine Wiedergutmachung fuer unsere mal-mehr-mal-weniger friedliche Coexistenz an der Donau seine Kreditkartennummer geborgt hatte, fuer alle Faelle. Oder er ist mal wieder blank, auf jeden Fall blieb mir heute morgen beim Auschecken aus dem "Lake Palace Hotel Hotel" ein peinlicher Moment nicht erspart. Zum Glueck habe ich schon gestern ueber ein, zwei Absackern (vermulich waren es eher drei, sonst haette mir der Bombay Gin niemals geschmeckt) Professor M. kennengelern. Guter Mann, seit Jahren in der Tourismusbranche taetig. Wir verstanden uns auf Anhieb gut. Und eine gesperrte Kreditkarte kostet ihn nur ein paar Anrufe, und mich eine - in Indien wirklich sehr guenstige - Vespakopie. Habe heute mittag einen fluechtigen Anflug schlechten Gewissens mit einem kurzen Blick in meine Tagebuecher aus Wien erfolgreich und nachhaltig bekaempft. Schoenberg, der alte Giftler, haette es doch eh nur fuer Drogen, Alkohol und schnellen Sex ausgegeben. So bekommt er wenigstens eine Postkarte.

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spaziergänge