20071009

Neu: deutschsprachige Titelzeile

Ob der schnöden Leibesertüchtigung durch Wiens Gassen zu rennen wird nicht leichter, wenn man dafür einen silbrig/rot glänzenden Trainingsanzug aufträgt. Nur weil das nunmal der einzige Trainingsanzug ist, den man seit Jahren hat. Und die Tatsache, dass er seit Jahren aufgetragen wird, ohne Ermüdungserscheinungen zu zeigen, doch wohl dafür spricht, von welch außergewöhnlicher Qualität das gute Stück NÄMLICH IST. Und das ist kein Grund, den Laufenden und sich sportlich Ertüchtigenden mitleidig anzustarren geschweige denn, ihn in der Videothek nur nach mehrmaliger Ausweiskontrolle mittels Handwerkszeug eines Spurensicherungsexperten zu bitten doch seinen "Pincode geht schon" einzutippen. Wenn man dann noch wegen schweissnasser Hände von der Taste flutscht und dann nunmal die Pineingabe daneben geht, dann ist das kein Grund NOCHMALS auf den Ausweis zu gucken. Und ich habe die Filme ja bekommen und ich werde meinen silbrig/rot glänzenden Trainingsanzug noch viele weitere Jahre auftragen, gerade weil er nämlich von so außergewöhnlich hoher Qualität ist und ich mich dafür nicht schämen brauche, dass er silbrig/rot glänzt, weil das nämlich cool ist und der Rest der Welt das noch nicht begriffen hat und ich jetzt ins Bett gehe und meinen silbrig/rot glänzenden Trainingsanzug wasche damit ich ihn morgen abend zur Leibesertüchtigung wieder auftragen kann und dann laufe ich durch die Hütteldorfer zu später Stunde und die Damen werden sich alle umgucken weil ich in meinem silbrig/rot glänzenden Trainingsanzug nämlich besser gesehen werde, als in schwarzen Lackstiefeln, die ich zudem nicht anziehen würde.

Knock-Out

Gestrige Nacht wie weggewischt. Vermutung: Supervisor beging Geburtstagsnachfeier mit Champagner statt Schlummberger. Da kommt einen in Wien die böse Sektfee holen. Salut.

20071007

Supa GameJew

Wien (APA) - Die Lage am Wiener Frontend für ungelöste Beziehungsfragen scheint sich normalisiert zu haben. Das ergab eine routinemäßige Untersuchung an ausgewählten Standorten (Hütteldorfer, Linzer) am späten Sonntag Abend. Seit dem ungeklärten Verschwinden des als Wiener "Don Amalgam" bekannten Sittenwüstlings Maschbauer K. ziehen die Lebedamen der Boulevards wieder ihrem soziolulturellen Millieu entsprechende Bekleidung an. Die Zeiten, in denen aus Angst vor Kontaktaufnahme Kleidungsstücke von therapeutisch-orthopädischen Labeln der letze Schrei waren scheinen vorüber. Wien stöhnt auf.

Ein leichtes Schmunzeln legte sich heute über meine Lippen, als ich im Revolverblatt K. obenstehende Meldung laß. Trotzdem trieb ich zielorientiert die Planungen meines weiteren Daseins im schönsten Teil des leider geistig weiterhin zweigeteilten Österreich voran. Gönnerin T. wurde kurzerhand verpflichtet, im Rahmen der Viennale an einer Jane-Fonda-Tribute Veranstaltung gegen Monatsmitte teilzunehmen. Auch lässt das SubotronSocialMeeting mit dem Spieljuden "Gamejew" auf sich warten. Derart erfüllt mit Vorfreuden kam sofort der Riesenmaschine-Altar in den Sinn, um ein kleines Opfer für diesen gelungenen Tag auszubringen. Die folgende Konversation belegt nachvollziehbar, warum dies nicht gelang:

>>Der Altar, HALLO, der Altar... Ich zitiere: "Der Altar ist derzeit nicht in Betrieb. Am 9. September wird der Altar zur Eröffnung des Berliner Radialsystems wieder aufgebaut. Bis dahin wird es eine Übergangslösung geben, an der wir noch arbeiten."

Ich warte...
[schönberg
]<< >>Richtige Frage, falsches Jahr.

Es handelte sich um den 9. September 2006.

An der Übergangslösung wird inzwischen schon wieder nicht mehr gearbeitet.


Der gegenwärtige Status des Nichtaufgebautseins des Altars verdeutlicht den Protest, den die Riesenmaschine dem schnöden Existenzzwang entgegenstellt und geht einher mit gezielter Nichtkommunikation genau darüber, damit Watzlawick sich ordentlich ärgert.

Liebe Grüsse,
[ein bekannter Riesenmaschinist
]<<

Ein guter Grund sich mit Watzlawick auseinanderzusetzen.

Asses on Fire

Der samstägliche Flohmarkt am und um den Wiener Naschmarkt hat für Kenner der IT-Szene geradezu kultische Bedeutung, gilt er doch als Schmelztiegel von digitalem Proletariat und konsumkritischer technischer Innovation. Als vom eigenen Oberkörperpilz endlich befreiter Apostel der Zukunft des Human Interface Device wurde mir dort unter dem Schlagwort "No Input is the new Input" ein geradezu übersättigtes Portfolio von Tastaturen dargeboten - schließlich wollte ich einer Re-Infektion des Oberkörpers durch Nichtbenutzung meiner vom greinenden Weltschmerz des Ex-Mitbewohners Maschbauer K. infizierten Laptoptastatur vermeiden (zudem gebiert sich mein Gerät als Recht empfindlich gegen jegliche Berührung). Die von Zusatznutzen durch dutzende Multifunktionstasten und -Räder vernarbten Eingabehilfen vereinte nur: Sie waren allesamt kabellos. Die fehlenden Empfänger ließen sich auch nicht durch angekündigte Dreingaben von Kapital, Hartnäckigkeit oder abgeklärtes Kopfschütteln herbeizaubern. Allein, ich erwarb sodann ein Päcklein Latexhandschuhe (latexfrei) und schreibe nun weiter am alten Brett.
Unfähig, den erfolglosen Einkaufszug zu kompensieren verbrachte ich den Abend nicht wie geplant als interessierter Kunstkenner auf der langen Nacht der Museen, sondern vertrieb mir die Zeit mit einem doch episch inszenieren Kunstfilm des eher schwermütigen Filmslamisten Lars von Bern Trier. Ich nehme an, die knuffige Dame in Lederjacke, die gerade vor mir sieben Pornofilme, darunter "Asses on Fire", geliehen hatte, verbrachte den Abend mit mehr Freude(n).

20071006

Luke & Truke

Ob der nervenaufreiben Ereignisse der Nacht ist mir der heutige, hellichte Tag nurmehr schleierhaft in Erinnerung wie durch die interferierenden Lichtschlieren eines ordentlichen Streifens Zelluloid. Unzweifelhaft gab es prägende Momente, wie mir eben jene Minuten immer wieder ins Bewusstsein steigen in denen mir der ranghohe Antichrist-Kandidat Josef Mengele in der U4 gegenübersaß, gemeinsam mit seinem Altersfreund Picasso. Der kalte Schauer, der mir den Rücken hinunterlief hatte wohl kaum mit den springtidenartigen Regenfällen zu tun, die kurz zuvor von meiner Hochtechnologiefaserjacke abgehalten wurden. Immerhin blieben ungeschütze Hautflächen derart aufgeweicht, dass es noch immer schwerfällt, die richtigen Bnuicvhjsdtzasbnenm zuui tzrterfgfgeren.
Der Abend verlief hingegen weniger erschreckend, wenn auch gleichsam nervenaufreibend. Gönnerin T., einst von mir als zweite Barbarella vergötterte Stuhlnachbarin, hatte gemeinsam mit ihrer Kloneipartnerin zu einer Feierlichkeit geladen, auf der, mit Ausnahme von Maschbauer K., erstaunlich viele ehemalige Kollegen dazu beitrugen, mein Erinnerungsvermögen aufzufrischen. Allein, es war umsonst. Nicht haben die vielen Öttinger Ottakringer wieder zum Erlöschen des Erlernten beigetragen. Vielmehr war es eine seltsame Art von Musikalität. Denn neben der anständingen Festbeschallung aus einem Apfelcomputer spielte eine melodisch doch sehr wienerisch angehauchte Band auf. Hier traf die leibhaftige Transgender-Erscheinung einer Hildegard "Botticelli" Knef auf einen Diät-Jamiroquai, die begleitet von einem Pailettenhemd, der melodischen Interpretation eines Fahrrads, eines Sägeblatts und eines Kolophonium getränkten Geigenbogens altwienerische Weinlieder sangen. Noch jetzt dröhnt es mir im Ohr: "Heute Abend kommst du in die Röhre".

20071004

done that

Die unter dem soeben frei erfundenen Namen Erdwammerl eher unbekannten Hörnchen im Schönbrunner Schlosspark sind dieser Tage wieder ganz besonders zutraulich und ziehen gutgläubigen Besuchern wesentlich effektiver Nahrungsmittelreste (in diesem Fall sei angemerkt: Wien entsorgt jeden Tag soviel ungegessenes Brot wie Linz oder Graz oder so verbrauchen, hab ich gehört) als dies jene von multinationalen Clans beauftragten U-Bahn-Hörnchen es jemals vermögen. Dennoch möchte ich keinesfalls mit meinen fruchtlosen Versuchen langweilen, als B-Hörnchen verkleidet körperlich entlohnt zu werden. Wesentlicher ist an dieser Stelle, dass ich an einer außerordentlich bequemen Situation leide. Ich vermag mich nicht mehr daran zu errinern, welchen Widrigkeiten ich in den letzten Stunden bis Monaten ausgesetzt war. Aber wer meinen geschätzten Kollegen M. kennt, den überascht kaum mein mental recht debiler Zustand. Ich möchte mich daher für heute damit begnügen den Status Quo zu skizzieren:
Offenbar bewohne ich eine recht unmöblierte Wohnung unweit der ehemaligen Residenz des Kaiserpaares. Ich möchte nicht prüfen, ob ein gewisser Kollege eventuell noch meine alte Wohnstätt bezieht und mich nur unsanft herausbefördert hat oder ob ich mich selbst erettet habe. Immerhin ist das neue Reich reichlich unmöbliert, sieht man einmal von einer Waschmaschine mit der geschätzten Rechenkapazität eines Clusters der guten alten VAX-4000 ab. Zweitens gehören mir mutmaßlich einige frische und gut erhaltene Hemden "slim fit", was dafür spricht, das auch meine Figur mangels fehlender seelischer Qualen gestärkt sein müsste. Zu guter letzt, damit möchte ich schließen: Ich habe einen Badge. Einen Badge für Transdanubien.

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spaziergänge