20071006

Luke & Truke

Ob der nervenaufreiben Ereignisse der Nacht ist mir der heutige, hellichte Tag nurmehr schleierhaft in Erinnerung wie durch die interferierenden Lichtschlieren eines ordentlichen Streifens Zelluloid. Unzweifelhaft gab es prägende Momente, wie mir eben jene Minuten immer wieder ins Bewusstsein steigen in denen mir der ranghohe Antichrist-Kandidat Josef Mengele in der U4 gegenübersaß, gemeinsam mit seinem Altersfreund Picasso. Der kalte Schauer, der mir den Rücken hinunterlief hatte wohl kaum mit den springtidenartigen Regenfällen zu tun, die kurz zuvor von meiner Hochtechnologiefaserjacke abgehalten wurden. Immerhin blieben ungeschütze Hautflächen derart aufgeweicht, dass es noch immer schwerfällt, die richtigen Bnuicvhjsdtzasbnenm zuui tzrterfgfgeren.
Der Abend verlief hingegen weniger erschreckend, wenn auch gleichsam nervenaufreibend. Gönnerin T., einst von mir als zweite Barbarella vergötterte Stuhlnachbarin, hatte gemeinsam mit ihrer Kloneipartnerin zu einer Feierlichkeit geladen, auf der, mit Ausnahme von Maschbauer K., erstaunlich viele ehemalige Kollegen dazu beitrugen, mein Erinnerungsvermögen aufzufrischen. Allein, es war umsonst. Nicht haben die vielen Öttinger Ottakringer wieder zum Erlöschen des Erlernten beigetragen. Vielmehr war es eine seltsame Art von Musikalität. Denn neben der anständingen Festbeschallung aus einem Apfelcomputer spielte eine melodisch doch sehr wienerisch angehauchte Band auf. Hier traf die leibhaftige Transgender-Erscheinung einer Hildegard "Botticelli" Knef auf einen Diät-Jamiroquai, die begleitet von einem Pailettenhemd, der melodischen Interpretation eines Fahrrads, eines Sägeblatts und eines Kolophonium getränkten Geigenbogens altwienerische Weinlieder sangen. Noch jetzt dröhnt es mir im Ohr: "Heute Abend kommst du in die Röhre".

20071004

done that

Die unter dem soeben frei erfundenen Namen Erdwammerl eher unbekannten Hörnchen im Schönbrunner Schlosspark sind dieser Tage wieder ganz besonders zutraulich und ziehen gutgläubigen Besuchern wesentlich effektiver Nahrungsmittelreste (in diesem Fall sei angemerkt: Wien entsorgt jeden Tag soviel ungegessenes Brot wie Linz oder Graz oder so verbrauchen, hab ich gehört) als dies jene von multinationalen Clans beauftragten U-Bahn-Hörnchen es jemals vermögen. Dennoch möchte ich keinesfalls mit meinen fruchtlosen Versuchen langweilen, als B-Hörnchen verkleidet körperlich entlohnt zu werden. Wesentlicher ist an dieser Stelle, dass ich an einer außerordentlich bequemen Situation leide. Ich vermag mich nicht mehr daran zu errinern, welchen Widrigkeiten ich in den letzten Stunden bis Monaten ausgesetzt war. Aber wer meinen geschätzten Kollegen M. kennt, den überascht kaum mein mental recht debiler Zustand. Ich möchte mich daher für heute damit begnügen den Status Quo zu skizzieren:
Offenbar bewohne ich eine recht unmöblierte Wohnung unweit der ehemaligen Residenz des Kaiserpaares. Ich möchte nicht prüfen, ob ein gewisser Kollege eventuell noch meine alte Wohnstätt bezieht und mich nur unsanft herausbefördert hat oder ob ich mich selbst erettet habe. Immerhin ist das neue Reich reichlich unmöbliert, sieht man einmal von einer Waschmaschine mit der geschätzten Rechenkapazität eines Clusters der guten alten VAX-4000 ab. Zweitens gehören mir mutmaßlich einige frische und gut erhaltene Hemden "slim fit", was dafür spricht, das auch meine Figur mangels fehlender seelischer Qualen gestärkt sein müsste. Zu guter letzt, damit möchte ich schließen: Ich habe einen Badge. Einen Badge für Transdanubien.

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spaziergänge